Aus dem „Le Petit Journal“ (1909)

Zu den schönsten und bekanntesten Gedichten über die Post zählt vielleicht das vom Posthilfsboten Säbelbein, dessen Autor der Schriftsteller Heinrich Schäffer (1855-1922) war. 1896 erstmals im „Illustrierten Briefmarken Journal“ veröffentlicht, traf es den Zeitgeist und skizzierte schnörkellos die Hierachien jener Zeit (wobei Ähnlichkeiten mit der Gegenwart natürlich nur zufälliger Natur sein können) – Vielleicht einer der Gründe, warum das Gedicht auch in Stettin einst sehr populär war…

Der Posthilfsbote Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.
Der Hilfspackmeister Livius
Schaut treulich, wie er soll und muß,-
Daß auch der Hilfsbot? Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.

Da naht sich auch Herr Stiefelbrand
Der seines Zeichens Praktikant,
Der schauet starr und unverwandt:
Ob Hilfspackmeister Livius
Nachsehe, wie er soll und muß,-
Daß auch der Hilfsbot? Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.

Darauf kommt, wie von ungefähr
Herr Schellen ? Obersekretär.
Er kontrolliert: ob Stiefelbrand
Auch schauet starr und unverwandt
Wie Hilfspackmeister Livius
Nachschaue, wie er soll und muß
Daß auch der Hilfsbot? Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.

Und siehe, aus des Tunnels Tor
Tritt stolz des Amtes Direktor.
Sein Adlerblick erblitzt daher:
Ob Schellen ? Obersekretär ?
Auch kontrollier?, daß Stiefelbrand
Nachschaue, starr und unverwandt
Wie Hilfspackmeister Livius
Sich überzeugt so, wie er muß
Daß Hilfspostbote Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.

Die Glocke klingt, fort fährt der Zug!
Ach, leider war nicht Zeit genug
Dass Posthilfsbote Säbelbein
Lädt sämtliche Pakete ein.
Es blieb, oh böses Missgeschick,
Der Ladung Hälfte noch zurück!

Da schwindet durch des Tunnels Tor
Dahin des Amtes Direktor
Herr Schellen, Obersekretär,
Klabastert spornstreichs hinterher
Worauf Praktikant Stiefelbrand
Im Wartesaale „eins“ verschwand
Und Livius trinkt voll Verdruss
In „vierter“ einen Schnaps zum Schluss.

Auf dem Bahnsteig steht ganz allein
Der Posthilfsbote Säbelbein.
Und spricht: „So geht es allemal
Weil Mangel ist am Personal!“


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