
Als die Nachricht vom Auftauchen eines Bechstein-Flügels in Stettin, gebaut im Jahre 1865 in den Berliner Werkstätten von Carl Bechstein, durch die Medien ging, da waren sicher Musikfreunde und Historiker gleichermaßen elektrisiert,
Wie wir erfahren konnten, fand er sich zunächst im 1884 eingeweihten Konzerthaus wieder. Dann verlor sich seine Spur zum Ende des 2. Weltkriegs, um nun wieder – dank Pawel Kwiatkowski – in einem Kulturzentrum wieder entdeckt zu werden…
Wenn der Flügel nun, am 31. März 2026 wieder in Stettin ein Publikum mit seinem Klang in Verzückung bringt, dann sei auch darauf hingewiesen, dass die Verbindung von Bechstein zu Stettin darüber hinaus ging. Denn es ist, auch dies verdanken wir der heutigen Firma, bestens dokumentiert:
Im November 1857 hatte Hans von Bülow seinem Freund Alexander Ritter versprochen, am darauffolgenden 1. Dezember in Stettin das 1. Klavierkonzert von Liszt zu spielen. Doch wie sollte sein Instrument nach Stettin kommen? Mit der Eisenbahn. Von Bülow berichtete:
„Als ich zu Bechstein, der nach meiner Ansicht der bedeutendste Flügelmann in Deutschland ist, obgleich er erst drei gebaut hat, eilte, hatte der sein Instrument schon auf den Chemindefer geschafft, und so wartete denn selbiges auf dem Stettiner Bahnhof…“
Mehr Einsatz für einen der von ihm unterstützten Künstler ging wohl kaum. Dass er dabei den technischen Fortschritt – die Berlin-Stettiner Bahn fuhr ab 1843 – zu nutzen verstand, spricht zudem ebenfalls für den Einfallsreichtum des nur in Fachkreisen bekannten Flügelbauer…
Übrigens: Der Flügel mit der Nummer 247 wurde im Ausgangsbuch des Jahres 1860 von Bechstein schlicht mit „Kapellmeister Liszt in Weimar“ vermerkt. Doch dies adelte den Instrumentenbauer! Schon 2 Jahre später gewinnt er auf der Londoner Industrieausstellung die Sieger-Medaille:
„Die Instrumente Bechsteins zeichnen sich durch eminente Frische und Freiheit des Tones, Annehmlichkeit der Spielart und Gleichheit der verschiedenen Register aus und dürften selbst kräftigsten Behandlung Widerstand leisten…“
Zu dieser Zeit ist „C. Bechstein Hoflieferant Sr. Majestät des Königs“, was man nicht nur in einem Bericht des Deutschen Zollvereins sondern auch auf dem in Stettin nun wieder entdeckten Flügel lesen kann – er trägt die Information über den Tasten.
Was hat ein Beschstein-Flügel in seinem Entstehungsjahr 1865 gekostet? – Nun, ein Stutzflügel hatte einen Preis von 450 Preußischen Thalern (inflationsbereinigt heute bis zu 22.500 EUR!) und ein Konzertflügel mit 8 Fuß Länge lag bereits bei 750 Preußischen Thalern (bis zu 37.000 EUR).
Am besagten 31. März 2026, wird nun also auf diesem über 160 Jahre (!) alten edlen Bechstein-Flügel in der Stettiner Philharmonie wieder gespielt: Zu hören sind Werke von Ignacy Jan Paderewski (1860-1941), Fryderyk Franciszek Chopin (1810-1849) und Sigismond Stojowski (1870?-1946).
Vielleicht wäre Liszt noch – wegen seiner Verbindung zu Bechstein – eine gute, die genannten Künstler ergänzenden Wahl gewesen. Und: Mit dem Pianisten Piotr Pawlak, der seine Ausbildung an der Danziger Musikschule erhielt, hat man einen klassischen Pianisten zum Vortrag gewählt.
Bechstein und Stettin – diese Geschichte erhält nun in diesem Jahr also wieder ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Bleibt nur noch zu wünschen, dass bei dem Bechstein-Flügel noch viele Saiten angeschlagen werden, die auch das Publikum mit seiner Klangwelt weiter in den Bann ziehen…
Weitere Informationen: C. Bechstein Pianoforte GmbH





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