Ludwig Sigismund Jacoby (1813-1874) sandte nach einem Brief aus Tribus bei Treptow die ersten methodistischen Prediger nach Pommern

Als vor 5 Jahren – am Sonntag, den 18. August 2019 – die letzte pommersche Kirche der Methodisten schloss, endete auch die Ära einer Freikirche, die im Zuge der Erweckungsbewegung entstand – die Information, eine kurze Meldung, von der kaum Notiz genommen wurde. Grund genug, sich mit dem Methodismus in Pommern – der auch in Bezug zur Heilsarmee, der Abstinenzbewegung oder der Bausparkasse steht – auseinanderzusetzen.

Doch was ist dieser Methodismus? Die Wurzeln des Methodismus liegen in England, wo man Christen – wie George Whitefield und John Wesley – wegen ihres bewusst christlichen Lebensstils und ihrer Regeln als „Methodisten“ bespöttelte. Wesley, der nach dem Verbot der Predigten in Kirchen schon bald unter freiem Himmel predigte, wurde durch sein Sozialwerk (Grundsatz: Hilfe zur Selbsthilfe) zu einer der prägenden Persönlichkeiten der Methodisten und setzte so Akzente bei der Umsetzung des Glaubens im Alltag.

Die Anfänge des Methodismus in Deutschland reichen bis in das Jahr 1831 zurück – ihr Ausgangspunkt: Die „Bremen Mission“. Über die Hafenstädte Bremen (1849) und Hamburg (1851) verbreitete sich der Methodismus deutschlandweit und seine Verästelungen wurden immer regionaler. So begann die „Pommern Mission“ in Kolberg (1861) und verbreitete sich von dort im „Stettiner Distrikt“ rasant: Gemeinden entstanden auch in Belgard (1865), Schlawe und Köslin (1866), Schievelbein (1882), Gollnow, Barfußdorf und Braunsberg (1883), Stettin (1892), Stolp (1894) und Stolpmünde (1898).

Ausgelöst wurde die „Pommern Mission“ durch einen Brief, den der Großbauer Volkmann aus Tribus bei Treptow 1859 an Ludwig Sigismund Jacoby (1813-1874) in Bremen sandte und in dem er um den Besuch eines methodistischen Predigers bat. In der Folge reiste Ludwig Nippert gleich mehrfach von Berlin nach Treptow. Ihm folgten die Methodisten Wilhelm Schwarz und Carl Heinrich Doering, die mehrmals in Volkmanns Haus predigten. Und: Mit dem jungen Prediger Hermann Ficke, der im Oktober 1862 nach Kolberg zog, entfaltete die „Pommern Mission“ ihre ganze Dynamik.

Welcher Aufgabe sich Bruder Ficke gestellt hatte, zeigt die Ausdehnung seines entstehenden Bezirks, der einen Durchmesser von ca. 100 km hatte. Täglich musste er 6 bis 8 km bei Wind und Wetter bewältigen. Doch es gab glückliche Fügungen : Die Methodisten Pommerns speisten sich so u. a. aus der Belowschen Bewegung („Belowianer“), einer spätpietistischen Erweckungsbewegung in Hinterpommern, die durch die Brüder von Below ausgelöst und von der Begegnung mit Adolf von Thadden inspiriert war. Sie pflegte übrigens auch Kontakte zu Otto von Bismarck oder Ernst Ludwig von Gerlach.

Auffällig ist allerdings, dass der Methodismus seinen Schwerpunkt in Hinterpommern fand. Neben Kolberg hatte Ficke auch in Köslin die Wurzeln der „Pommern Mission“ verankert. Das Aufbauwerk blieb schwierig: So gab es hier zunächst eine Abspaltung der „Vereinten Brüder in Christo“, die aber 1905 wieder zu den Methodisten fand. Frühe Versuche gelegentlicher Besuche durch Hugo Günther auch in Stolp den Weg für die Methodisten zu ebnen, waren erst Anfang des 20. Jahrhunderts – zudem mit dem Bau einer Kirche – von Erfolg gekrönt.

Auch von Gollnow soll noch die Rede sein: Als lose Gemeinschaft gegründet, gewannen die Methodisten mit dem Eintreffen von Prediger Heinrich Joches Struktur. Doch zunächst wurden Versammlungen polizeilich aufgelöst, sogar verboten und dazu Gelstrafen verhängt. Mit dem Erwerb an den Wällen 9-11 wurde jedoch der Grundstein für den Bau einer Kapelle (1899) gelegt. 1922 folgte der Bau eines Pastorats. Nun bot sich Platz für 300 Methodisten. Neben Missionsfesten gewann die „Gollnower Glaubenskonferenz“ zunehmend an Bedeutung. Neben einer Sonntagsschule gab es einen Gemeinde-, Posaunen- und Mandolinenchor sowie einen Jugendbund von 60 Jugendlichen.

Zu guter Letzt sei noch an Otto Phillipp erinnert: Nach Flucht und Vertreibung war auch die Arbeit der „Pommern Mission“ ausgelöscht. Doch es gab noch ein weiteres Kapitel: Im Stettiner Durchgangslager III – dem Ort des Strandens vieler heimatloser, enteigneter und vertriebener Deutscher nach dem 2. Weltkrieg -. war an Seelsorge hinter Stacheldraht zunächst nicht zu denken. Dann jedoch wagte der Laienprediger der Stettiner Methodistengemeinde Otto Philipp eine Bank aufzustellen, geistliche Lieder zu singen, Abschnitte der Bibel zu lesen und zu beten. Erst Hunderte, dann Tausende scharrten sich um ihn – Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen wurden begangen, bis das Lagerpersonal die Zusammenkünfte mit Otto Philipp schließlich verbot…

(Der Text basiert auf Erkenntnisse der Studiengemeinschaft für Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche)


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